Samstag, 18. April 2015

Zähneputzen 2.0?

Die Blogparade zum Thema Zähneputzen #DailyRoutine, zu der Frau Mutter in Kooperation mit Elmex aufgerufen hat, könnte ich auch unter den von vielen Bloggern kürzlich geschriebenen Beiträgen zum Thema "Geschichten vom Scheitern" einsortieren. Zähne putzen ist ein heikles Thema, und das, obwohl mein Onkel Zahnarzt ist! Da ich keinen ultimativen Tipp fürs Gelingen des morgendlichen und abendlichen Rituals beisteuern kann, verrate ich euch an dieser Stelle stattdessen, wie es bei uns jedenfalls schon mal nicht oder nur bedingt geklappt hat. Here we go.


Zahnputzsanduhr
Nach 2 Probedurchläufen hatte sich das mit der niedlichen Sanduhr erledigt. "Mit Sanduhr putzen mag ich nicht" als Synonym für "2 min dauern mir viel zu lange".


Zahnbürste selber aussuchen
Wir hatten sie alle: pinke Pferde mit Borstenkopf, Froschbürsten mit Saugnäpfen, reisetaugliche Haie mit Fischkappen, Löwen mit bunten Borsten, Affen, Biene Majas, Arielles, Piraten und Wikinger. Der Reiz besteht jedes Mal nur solange, wie die Zahnbürste noch nicht bezahlt ist. Anschließend ist Putzen mit Maja genauso doof wie sonst auch.
"Muss ich heute Abend Zähne putzen?" - "Ja, du musst."


Elektrische Kinder-Zahnbürste
Nach dieser Anschaffung dachte ich tatsächlich, wir seien zahnputztechnisch über den Berg. Die Vorfreude auf das Putzen hielt aber nur genau 3 Tage. Manko: ob das Kind tatsächlich putzt oder nicht ist schlechter nachzuvollziehen, wenn man nicht direkt daneben steht. Eine elektrische Bürste kann man auch etwa 1 min lang an einen einzigen Zahn halten und währenddessen statt zu putzen lieber mit Playmobilfiguren im Waschbecken spielen. Bei einer "Analogbürste" fällt es auf, wenn das Putzgeräusch fehlt...


Lieder singen
Als Musikpädagogin bin ich ja geradezu prädestiniert für das Erfinden von albernen Zahnputzliedern. Sowohl in der musikalischen Früherziehung als auch im heimischen Badezimmer habe ich genau das getan, mit zumindest im privaten Bereich eher mäßigem Erfolg. Gut, die Musikkids liebten es, im Unterricht mit ihren Fingern so zu tun als ob sie putzten, aber bis abends war auch das bei den meisten wohl wieder vergessen. Als ich ein Mal zu Hause erklärte, das Kind müsse solange putzen wie ich singe, erhielt ich von meiner schlagfertigen Tochter die schaumige Antwort: "Gu fingft viel fu langfam, Mama!" Tja nun. (Solange die dicke Frau singt, ist die Oper noch nicht zu Ende...)
Wer es trotzdem probieren möchte, hier mein Text auf die Melodie von "Bruder Jacob":

Zähne putzen, Zähne putzen, 
das muss sein, das muss sein!
Mach ein Mal den Mund auf, mach ein Mal den Mund auf:
so ist's fein, so ist's fein!

Zähne putzen, Zähne putzen, 
das muss sein, das muss sein!
Denn sie wollen weiße, denn sie wollen weiße
Zähne sein, Zähne sein!

Zähne putzen, Zähne putzen, 
das muss sein, das muss sein!
Karius und Baktus, Karius und Baktus:
ich sag "nein!", ich sag "nein!".


Mit Puppe putzen
"Erst putzt du "deinem Baby" die Zähne und danach deine, okay?"
- "Mein Baby möchte heute nicht Zähne putzen. Ich bin die Mama, ich erlaube es."
Möööp.


Blinkende Bürste
Als Eltern klammert man sich ja an jeden Strohhalm, wenn es um den Versuch geht, den Kindern etwas Unliebsames schmackhaft zu machen. Mein letzter begegnete mir in der Apotheke, wo sie leuchtende Kinderzahnbürsten zu medikamentösen Preisen anboten. Das Prinzip ist so simpel wie genial: die Bürste hat unten einen Knopf, den man drückt, wenn man mit dem Putzen beginnt. So lange das coole Teil discomäßig blinkt, muss man putzen. "Boah, danke Mama, die ist ja cool! Darf ich die gleich ausprobieren?" Während ich mir innerlich selbst High Five gab, war das Kind schon mit der Bürste verschwunden, allerdings nicht im Bad. Diese Tatsache hätte mich stutzig machen sollen! Sie probierte tatsächlich aus, aber nur das Blinklicht, ohne Putzen. Nach wenigen Tagen war die Batterie leer und das clevere Kind kam zu dem Schluss: "Wenn es blinkt, muss man putzen. Wenn es gar nicht mehr blinkt, muss man gar nicht mehr putzen". Klarer Sieg durch Argumente, denn "nachladen" kann man sie nicht und für 3 Tage Zahnputzspaß ist sie doch ein bisschen teuer...


Leckere Zahnpasta
Es gab mal eine Zeit, da war die richtige Zahnpasta enorm wichtig. Kaugummi- und Pfefferminzgeschmack gingen gar nicht, Erdbeer musste es sein, ausschließlich. Aus Angst, out of strawberrys zu geraten, schickte ich meinen Mann also "Putzi Erdbeer" besorgen, obwohl gerade keine Putzi Erdbeersaison gewesen zu sein schien. Er klapperte sämtliche Drogerien ab um schlussendlich erfolgreich mit einem Haufen Tuben zurückzukommen. Wenige Tage später (und ganz sicher nur in Anbetracht der verfügbaren Menge) waren Erdbeeren plötzlich doch nicht mehr so lecker und seitdem sitzen tubenweise zweizahnige Hamster (?) mit rotem Iro in unserem Badezimmerschrank. Vielleicht kommt sie ja noch beim zweiten Kind, Putzis große Stunde.


Apps
Zähneputzen 2.0: es gibt da eine App namens "Disney Magic Timer", kostenlos. Man verfügt da über ein virtuelles Stickeralbum und bekommt bei jedem Putzen ein Bild, das anfangs komplett mit Schaum bedeckt ist. Während man putzt, spielt die App eine Melodie (argh) und es putzt gleichzeitig eine Zahnbürste über den Bildschirm und macht so in 2min Stück für Stück das versteckte Disney-Bild sichtbar. Nach Ablauf der Zeit klingelt die App, es gibt ein Feuerwerk auf dem Bildschirm und der freigeputzte Sticker wandert ins Album. Wie bei so Vielem gibt es aber auch bei dieser App einen winzigen Haken: (ich glaube, es war) oral-b möchte auch etwas dabei verdienen. Man hat nun also die Möglichkeit, gekaufte Produkte von oral-b mit Disneymotiv einzuscannen, um z.B. Arielle- oder Cinderella-Sticker freiputzen zu können und nicht immer nur Winnie Pooh (ohne Scan). Die Marketingstrategie ist bei uns voll auf gegangen: wir kauften eine Ariellebürste und scannten....und scannten...und scannten. Und wenn sie nicht gestorben sind, .... Das Einscannen funktionierte im Anleitungsvideo blitzschnell und wunderbar, in der Realität leider nur an einem von 5 Tagen. Ich hielt das iPad gefühlte 15min von oben, unten, links und rechts, mit hellem Licht, mit dunklem Licht, mit Taschenlampe und Handyscheinwerfer unter die Tablet-Kamera und meistens passierte: genau, überhaupt nichts. Deswegen gaben wir es irgendwann entnervt auf. Dennoch ist es die Zahnputz-Lösung, die bei uns am Ehesten gefruchtet hat.


Was übrigens gerade funktioniert (sie ist 5,5 Jahre alt), ist ihr Gedanke, dass vielleicht endlich ein Zahn anfängt zu wackeln, wenn man lange genug putzt. Ich habe beschlossen, vorerst nichts dazu zu sagen. Der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel! Und bis September klammere ich mich an die Empfehlung von Zahnärzten, wonach Eltern bis zum Schuleintritt grundsätzlich noch mal nachputzen sollten. Und ab Herbst wird garantiert alles anders ;)


Habt ihr den ultimativen Tipp? Oder macht man es vielleicht als Erwachsener auch nicht unbedingt gerne, aber eben konsequent, weil es nun mal sein muss?
Ich freue mich auf eure Erfahrungen!

Kommentare:

  1. Hmmmh, ich habe mich ja nun an der Hoffnung festgehalten, dass vielleicht eine elektrische Kinderzahnbürste die Heilsbringerin ist. Aber das hört sich bei Dir ja nicht so danach an. Die App werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren. Denn hier herrscht doch eher Frust, was das Zähneputzen angeht. Trotzdem ziehen wir es jeden Tag natürlich durch. Ich halte mich derweil mit einem Bullshit-Bingo zum Zähneputzen über Wasser: Prost! LG JuSu

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    1. Dein Bullshit-Bingo ist super, fast alles davon habe ich auch schon mal gehört in unserem Bad. Komisch, dass mehrere Kinder die Angewohnheit zu haben scheinen, putzen durch die Wohnung zulaufen ^^

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  2. Wie kommt mir das alles bekannt vor...

    Den ultimativen Tipp habe ich leider auch nicht, wir sind am Schluss wirklich dazu übergegangen sie am Boden festzuhalten und unter lautem Geschrei zu putzen, anders ging es gar nicht.

    Etwas leichter wurde es, nach dem ersten Besuch bei der Kinderzahnärztin. Die hat das ganz toll gemacht und mich gleich zu Beginn unauffällig gefragt ob das Putzen problemlos klappt. Als ich ihr dann unsere Kämpfe geschildert hab hat sie sich die Zähne der Kleinen angeschaut und als die in Ordnung waren hat sie sie für ihre sauberen Zähne sehr gelobt und ihr ganz überschwänglich gesagt wie toll und sauber die wären und dass das alles nur so ist weil Mama immer putzt. Und wenn sie Mama immer weiter putzen lässt dann bleiben die Zähne so sauber und sie würde sich schon sehr darauf freuen wenn die Kleine wieder kommt und sie wieder die sauberen Zähne anschauen darf, weil sie so schön sind.

    Das hat unsere Kleine damals ziemlich beeindruckt und bei jedem Mal Zähne putzen meinte sie: "Wir müssen gut Zähne putzen, denn wenn die Zähne dreckig sind weint die Frau!". Das hat sie auch jedem erzählt, die Zahnärztin nennt sie nur ganz ehrfurchtsvoll "die Frau".

    Dann ging es zwar auch alles andere als unproblematisch, aber es wurde langsam aber sicher besser. Für "die Frau" lässt sie sich die Zähne gut putzen und geht auch gerne zu ihr in die Praxis um voller Stolz die sauberen Beißerchen zu präsentieren.

    Heute müssen wir bei ihr eigentlich nur noch kämpfen wenn sie sehr müde ist, daher nehmen wir die Zahnbürste auch immer mit wenn wir weg gehen und wissen, dass es abends spät wird.

    Tja, dafür gehen jetzt die Kämpfe bei ihrem kleinen Bruder los...

    Halt die Ohren steif!

    LG, Christiane

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    1. Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, liebe Christiane! Bei uns hat der Zahnarzt leider nur kurzfristig Erfolg gebracht, obwohl sie sogar eine ganze Zahnteufel-Familie im Mund hatte und der Bohrer ran musste... Geschrei gibt es hier jetzt zwar keines mehr, aber gerne machen sieht irgendwie anders aus :) naja, was muss, das muss! Liebe Grüße

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