Donnerstag, 7. Juni 2012

Winzig klein vs. riesig groß

...heißt das erste der vier Gegenteil-Mottos im Juni.
Meine erste Idee, die winzigen Kinderfinger der neugeborenen Fiona in meiner großen Mamahand (kommt, gebt's zu, so ein Foto hat JEDE Mama gemacht ;), hatten noch einige andere, die beim Pimpinella-Fotoprojekt dabei sind. Deswegen wurde kurzerhand umdisponiert und ich zeige euch etwas, bei dem ihr genau hinschauen müsst und vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennt, was hier das winzig Kleine und was das riesig Große ist. Es kommt immer auf die Perspektive an ;)
(Dazu fällt mir das Bild von der Katze vor dem Spiegel ein. Als ihr Spiegelbild sieht sie einen ausgewachsenen Löwen und drunter steht: "what matters most is how you see yourself")


Der 386m hohe Berliner Fernsehturm, umgangssprachlich auch Tele-Spargel, ist eines der Wahrzeichen unserer Stadt. Obwohl er in der DDR geplant und errichtet wurde, ist er seit der Wiedervereinigung 1990 Symbol für Gesamtberlin geworden. Nach über 20 Jahren sollte die Mauer so langsam aus den Köpfen verschwunden sein, könnte man meinen. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt! Ich persönlich glaube ja, dass Westberliner beispielsweise das Schloss Bellevue oder den Zoo als "ihre" Sehenswürdigkeiten bezeichnen, wohingegen waschechte Ossis das Brandenburger Tor und den Tierpark für sich beanspruchen, auch wenn es wohl niemand zugeben würde.
(Nur am Rande: der Fernsehturm steht übrigens im Osten ;)
In meiner Zeit in Westdeutschland folgte auf die Frage nach meiner Herkunft und meiner dazugehörigen Antwort in den meisten Fällen sofort das Nachhaken: "Ost oder West?". Soviel zum Thema...
Wenn wir mal (selten genug!) mit den Öffentlichen unterwegs sind, die hier übrigens nicht türkisch anmutende Verstümmelungen wie ÖPNV o.ä. über sich ergehen lassen müssen, sondern schlicht und einfach BVG geschimpft werden (und das meine ich wörtlich! Kabelklau bei der Bahn ist eine der Standardansagen im Radio...), fühlt sich die eigene Stadt an, wie eine fremde, je näher die S-Bahn Richtung Spandau ihrem Bestimmungsort kommt. Und sobald Friedrichstraße und Hackescher Markt auf dem Rückweg hinter einem liegen, entspannt man sich langsam wieder vom Trubel der Großstadt und lässt sich von der Bahn an den heimischen Berliner Rand und sanft in den entspannten Minuten-Schlaf schaukeln (sofern nicht wieder irgendwo ein Kabel fehlt bzw. man zur Berufszeit unterwegs ist...). Viele kommen extra nach Berlin, um das multikulturelle Tohuwabohu , blinkende Lichter und dröhnige Musik aus Hinterhausbars hautnah zu erleben. Mir reicht das immer für einen Abend ^^
Ob es den Westberlinern andersrum genauso geht? Und gibt es das in anderen Städten auch oder ist das geschichtlich bedingt nur in der Hauptstadt so?

Aber zurück zum Fernsehturm:

Witzig an der Planung des Turmes ist die Tatsache, dass der Standort in den Müggelbergen schon beschlossene Sache gewesen ist. Dort sollte eine neue Anlage gebaut werden, die vor allem zum Senden des DDR-Fernsehens vorgesehen war. Nachdem ein paar Nebengebäude bereits errichtet worden waren, stellte das Innenministerium fest, dass die Sendeanlage in der Einflugschneise des geplanten Flughafen Schönefelds stehen würde. Ganz großes Kino!
Dass das Ganze mal Probleme geben würde, stand also schon viiieeele Jahre vor der geplanten Eröffnung des neuen Großflughafens fest - haha...

Weiterhin sollte ein anderes, von der Sendeanlage unabhängiges, Großprojekt im Bezirk Mitte entstehen: ein Regierungshochhaus als architektonisches Symbol für die Gesellschaft. Selbiges wurde allerdings nie gebaut.

Beide verworfenen Pläne fanden zusammen und so entstand der Turm auf dem Alexanderplatz.
"Nu Genossen, da sieht man's ganz genau. Da gehört er hin!" soll der vor einem Berlinmodell stehende Walter Ullbricht, Staatsoberhaupt der DDR, einer Anekdote zu Folge gesagt haben.
Seit Oktober 1969 steht er nun da, wo er hingehört, und ist zu einem der beliebtesten Ausflugsziele geworden, sowohl für Touristen, als auch für die Berliner selbst. Wer ihm einen Besuch abstatten will, dem empfehle ich die (wenige € teureren) Reservierungstickets zu bestimmten Uhrzeiten, mit denen man ohne Schlange einfach reingehen kann. Bei gutem Wetter steht man andernfalls manchmal gute 2 Stunden, bis man überhaupt zum Schalter kommt, an dem man die Karten kaufen kann. Anschließend werden sich nochmal die Beine in den Bauch gestanden, bis man endlich hoch darf. Nee, nee, nich mit mir und schon gar nicht mit ungeduldigem Kleinkind!

In den 19 Jahren, die ich seit meiner Geburt in Berlin verbracht habe, bin ich nicht ein Mal auf dem Fernsehturm gewesen, dafür mit Fiona nun schon 2x. Die staunte nicht schlecht über winzige Autos, Busse und Straßenbahnen, die sich wie flinke Ameisen 200m unter unseren Füßen durch die Straßen gruben.

Kommentare:

  1. Schönes Bild! Jetzt muss ich mir aber was anderes ausdenken. An den geliebten Fernsehturm hatte ich auch schon gedacht ;)
    Den Mond habe ich übrigens sofort gefunden!

    Bis später <3

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  2. Das sind wohl die Sachen, die man sich immer vornimmt. Und mit Kind kommt man dann endlich dazu - immerhin ist unser Auftrag ja wohl, den Kleinen die Welt zu zeigen. So habe ich's wenigstens versprochen.

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  3. Es geht mir ähnlich, erst dank und mit Babymädchen entdecke ich viele tolle Plätze und Stationen meiner Heimat. Du fährst und fliegst durch die Welt, nur das Nahe, das lässt du manchmal links liegen und erst mit Kind werden die ganz nahen Plätze sehr wichtig und wertvoll.
    Wenn ich einmal nach Berlin reisen sollte, dann wird der Fernsehturm sicherlich auf unserer Liste stehen, dank dir erst recht :-)
    Wie immer ein toller Bericht. Sina

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