Montag, 3. September 2012

Axolotl, bunte Muffins und der schwedische Einrichtungswahn

Nachdem ich den deutschen Sommer für dieses Jahr schon in der Kategorie "abgehakt" verbucht hatte, staunte ich doch nicht schlecht über die letzten warmen Tage! Mein Problem ist nur, dass das klamottentechnische Einstellen auf eine bestimmte Wetterlage bei mir immer eine Art Inkubationszeit mit sich bringt. Anfang letzter Woche war das beste Beispiel dafür: Montag, Temperaturen im anfänglich zweistelligen Bereich, aber dabei nassekliges Pfützenwetter: also lange Hose, Jacke.
Dienstag Morgen: lange Hose, Jacke, wie Montag. Das Thermometer stieg im Laufe des Tages wider Erwarten bis über 25°C, ich schleppte mich mit nicht besonders elegant hochgekrempelten schwarzen Jeans-Hosenbeinen in die Schule zum Unterricht und notierte für Mittwoch im Geiste "sommerliche weiße 3/4-Hose". Als ich Mittwoch Morgen mit eben dieser Sommerhose vor der Kita stand, fröstelte ich ein wenig angesichts der knappen 12 Grad, die Jacke zu Hause am Haken. Im Laufe des Donnerstages tauschte ich die Sommerhose resignierend wieder gegen die Herbstjeans, um am Wochenende erneut mit dem Kleiderschrank und wetter.com zu verhandeln. Bin ich zu unspontan für den deutschen Sommer? Fast scheint es so. Über den dünnen Longsleeve, den ich Fiona heute Morgen wegen des Taus auf der Wiese angezogen hatte, wird sie sich vermutlich nicht besonders gefreut haben, als sie nachmittags bei den im Radio angekündigten 25°C durch den Kitagarten gesprungen ist... Blöd nur, dass das Radio erst läuft, wenn wir schon im Auto unterwegs sind. Zu spät für den Garderobentausch.
Wie dem auch sei - das schöne Wochenendwetter haben wir viel an der frischen Luft verbracht. Die Jahreskarte "zwingt" uns nun praktisch öfter mal zum Tierparkbesuch, in dem wir bei bestem Tierparkwetter einen tollen Sonntagnachmittag verbracht haben. Bestes Tierparkwetter, weil a) nicht nass und b) nicht so heiß, dass die Tiere stinken :) Wir haben gestern echt Kilometer gemacht, so dass sich meine Fußsohlen hinterher anfühlten, als würden sie in Flammen stehen. Das abendliche Grillen bei meinen Eltern (und das vorher spontane Grillzubehöreinkaufen wegen verkaufsoffenen Sonntages!) war der perfekte Ausklang eines schönen Wochenendes. Tierparkbilder gab's hier schon öfter zu sehen, deswegen nur eine kleine Collage Sonntagsimpressionen.
 

"Berta"
Mein persönlicher favourite ist das Axolotl (2.v.l.), den ich dort zum ersten Mal gesehen habe! Dieser nackte Wasserlurch hat ein Gesicht, wie eines meiner kürzlich genähten Kuschelmonster und sieht aus, wie ein Überbleibsel aus einem Jurassic-Park-Film. Weil er sein Leben lang im Larvenstadium verbleibt, eine sogenannte "Dauerlarve" (hey, ein neues Schimpfwort? "Du Dauerlarve"? Oder lieber gleich: "Du Axolotl!"?), gab er dem wegen Plagiatsvorwürfen viel diskutierten Roman der jungen Autorin Helene Hegemann seinen Namen. Da geht es um eine 16-jährige Rebellin, die nicht erwachsen werden kann/will - genau wie der Lurch. Irgendwie faszinierend! Fiona fand an meinem Axolotl hinter Glas nicht sonderlich großen Gefallen, dafür aber live und in Farbe (naja, armeegrün? Camouflage?) an Bartagam-Dame "Berta", die sie sogar "streicheln" durfte ("Die ist ein bisschen stachelig, Mama!"). Hätte ich nicht zufällig beim Nahtauftrennen eines genähten Nono-Kleidchens ein paar Tage vorher mit einem Auge RTL-Unterschichten-TV geguckt, in dem es um ein junges Paar ging, das zusammenziehen und statt Arbeits- oder Kinderzimmer ein Tierzimmer u.a. wegen der Bartagame einrichten wollte, hätte ich gar nicht gewusst, was wir da streicheln sollen: eine Mischung aus Echse und Krokodil, wie gesagt ein bisschen stachelig aber in erster Linie ganz zahm und zu Hause auf der Schulter der netten Tierparkmitarbeiterin. Fiona hat mit ihrer kleinen Spielzeugkamera, die ursprünglich mal mit Hello-Kitty-Brausebonbons gefüllt war (Danke, Kaja!), unzählige Fotos von den Tieren geschossen. Ich habe ihr versprochen, dass ich die Fotos von "ihrer" Kamera ausdrucken lasse und ihr ein richtiges Fotoalbum zum Angucken mache. Allerdings musste ich ganz schön hinterher sein mit dem heimlichen Synchronfotografieren, oder "futterfieren", wie Nono es nennt :)
die rasende Reporterin auf der Aussichtsplattform bei den Pingus - wo ist nochmal der Zoom?!

Über die Facebook-Fanpage des Löckchenzauber-Blogs, der neben dem von Anderen schon unzählig nachgebastelten Stoffbäumchen auch viele andere kreative Designideen für's Kinderzimmer vorstellt, bin ich irgendwann mal über eine große Lampenverschönerungsaktion gestolpert. Eine Bloggerin, auf die ich leider nicht verlinken kann, weil ich mir ihre Blog-URL nicht gemerkt habe, hat die 4,99€-Papierkugel vom Schweden rundherum mit bunten Muffinförmchen beklebt. Das fand ich dort schon total toll, es scheiterte aber am Nichtvorhandensein des Zubehörs. Als mir vor ein paar Tagen im Drogeriemarkt zufällig ein 100er Pack bunte Muffinförmchen für 1,79€ über den Weg lief, schoss mir sofort das Bild dieser DIY-Lampe wieder in den Kopf. Naja, die Förmchen landeten in meinem Einkaufskorb und so nahm das Schicksal seinen Lauf: Familie M. begab sich also an einem schönen, sonnigen Samstagvormittag in das blau-gelbe Wohnparadies auf ein paar Köttbullar und eine Lampe. Schade, dass wir mit dieser Idee nicht allein gewesen sind. So kurz nach dem Erscheinen eines neuen Werbekataloges, der aber absolut nicht ausschlaggebend für unseren Besuch war, am Wochenende dort in Ruhe "bummeln" gehen zu wollen, ist ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben. Das weiß ich jetzt. Alle Generationen - die, die noch geschoben werden bis hin zu denen, die wieder geschoben werden - verstopften die Gänge in dem quadratkilometergroßen Einrichtungshaus. Kein Wunder, dass die Schilder einen duzen, so eng und familiär wie es an einem vollen Samstag ist ^^ Ganze Großfamilien verbringen scheinbar ihre freien Wochenenden direkt auf der Couch JENNYLUND und im Sessel POÄNG, um sich die schwedischen Hackbällchen (die ich beim Bestellen versehentlich umlautvertauscht als "Kottbüllar" aussprach...peinlich) direkt auf den Couchtisch BOKSEL liefern zu lassen, da im Restaurant samstags die Tische knapp sind. Ich weiß nicht, mein Empfinden von "entspannt einkaufen" ist irgendwie anders. Vor allem, wenn man programmiert ist auf "Rundlampe" und "Blanco-Kissen" und sich auch nicht staubedingt für eine neue Kinderzimmereinrichtung interessiert. Es war wie bei Mario Barth: "HOSE!" - "LAMPE!". Statt einfach einen Schritt zur Seite zu gehen, wenn sie merken, dass die Neuronen sich für ein Sitzmöbel interessieren, bleiben die Leute einfach unvermittelt direkt "auf der Straße" stehen und verursachen Auffahrunfälle und einen nachfolgenden Stau von der Wohnzimmer- bis in die Küchenabteilung. Und dann versuch mal, entgegen der Pfeilrichtung in einen Bereich zurückzukommen, in dem du schon warst. Nahezu unmöglich! Es war ein bisschen wie die große Wanderung bei Ice Age, nur, dass weder Mammuts noch Faultiere unterwegs waren.
Immerhin besitze ich jetzt zwei Blanco-Kissen, für die ich Bezüge nähen kann, und eine bereits beklebte Papierlampe im Kinderzimmer. Dass die Förmchen nicht ausreichten und der obere Lampenkranz vorerst nackig bleiben musste, lasse ich an dieser Stelle einfach unter den Tisch fallen. Wenn man, wie ich, keine 1,70m groß ist, sieht man das von unten auch gar nicht... Fiona ist jedenfalls sehr glücklich mit der neuen Muffinlampe und macht sie an, egal ob es hell oder dunkel draußen ist: "Die Muffins leuchten so schön!" Thematisch zum Rotkäppchenmärchen an der Wand und dem Waldteppich auf dem Fußboden vielleicht nicht 100%ig passend, aber dann wird das Märchen eben modernisiert, Rotkäppchen 2.0, und das rotbehütete Mädel bringt der Oma Kaffee und Muffins statt Wein und Brot. Cake happens! Auf dass das Kinderzimmer noch bunter werde :)
P.S. Das teuerste an der ganzen Aktion war wohl der Kleber...
 

 Gewummelt wurde auch wieder, weil der Postmann pünktlich am 01. die neue Kiste zum Thema "Farbe & Licht" mit drei tollen Bastelideen gebracht hat. Die Kreisel-Blätter kann man mit Wachsmalstiften bemalen und dann beim Kreiseln beobachten, wie sich die Farben mischen. Fiona hat ziemlich schnell durchschaut, wie das mit der Feinmotorik am Kreisel funktioniert und hatte dann im wahrsten Sinne des Wortes "den Dreh raus". Dass und wie sich die Farben mischen, fand sie ganz schön interessant.

 
Auch "übriggebliebene" Projekte der letzten Kisten kamen doch noch zum Einsatz: das Wikingerfloß, das in der Badewanne zu Wasser gelassen wurde und die bunten Wurfringe aus der Zirkuskiste. Dass sie schon ziemlich gut mit der Schere umgehen kann, stellte Fiona beim Klebebandschneiden unter Beweis. Dumm nur, dass die Schere alles schneidet, was ihr zwischen die "Beine" kommt, z.B. auch das neue Kleid... Ich weiß nicht, wer von uns beiden vor Schreck mehr geweint hat. Aber die Schneiderader in mir wird sich da schon was Schönes einfallen lassen, um das Loch zu kaschieren...
 
links unten: Spielparadies in der Kinderabteilung. Jemand Fiona gesehen...?!
Schön am Schwedenbesuch war übrigens neben dem Essen auch die Frage einer Mitarbeiterin, die wissen wollte, ob ich lernen möchte, wie man sich eine Kissenhülle mit Hotelverschluss selber näht und ich stolz antworten konnte:
"Nein, danke. Das kann ich schon." Ätsch! :)
Kennt ihr eigentlich den Cartoon mit dem Titel "Bewerbungsgespräch bei Ikea"? Der Bewerber kommt zur Tür rein und in der Sprechblase des Chefs ist zu lesen: "Please have a seat!". Daneben ein Haufen loser Bretter und Schrauben. Haha...

Kommentare:

  1. Ach, wieder einmal herzerwärmend und -erfrischend! Ja, das könnte uns auch passieren, genau nach Erscheinen des Kataloges mal beim Schweden schlendern zu gehen und dann die Fassungslosigkeit.
    Lampe großartig!
    Und Bastelkiste auch.
    Was läßt Du Dir einfallen für "Dann mach ich mir nen Schlitz ins Kleid und find es wunderbar"?
    Liebste Grüße von Nina, chronisch falsch angezogen mit ebensolchen Kindern. Warum soll es denen besser gehen? :-)

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    1. "Dann mach ich mir nen Schlitz ins Kleid und find es wunderbar" könnte auch einfach ein Statement bleiben. Oder eine Applikation. Ist eh ein Blumenkleid. Auf eine mehr oder weniger kommt's dann auch nicht mehr an ^^ Schön, dass es euch kleidungstechnisch ähnlich geht :)

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  2. Jetzt musste ich grad richtig schmunzeln, toller Post!
    Mir gings mal so ähnlich bei Mömax… der war "recht" neu bei uns und ich dachte mir, geh ich doch mal rein! Dummerweise wars der Eröffnungstag… hätte mir die Automasse am Parkplatz schon zeigen müssen, aber da war ich ja dann schon dort und wollte rein. Drinnen wollt ich dann, mit Kinderwagen, nur wieder raus, aber das ging nicht mehr :-) in die falsche Richtung wieder raus zu wollen war schlicht undenkbar!
    LG und ein tolles Wochenende
    Andrea

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    1. ...also gibt's die Ice-Age-Wanderung auch noch in anderen Läden ^^

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  3. Oh! Die Muffinlampe musst du mal abends in leuchtendem Zustand fotografieren. Da bin ich ja neugierig wie schön bunt das leuchtet! Eine tolle Idee!
    Liebe Grüße
    Ute

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  4. Ich könnte deinen Blog stundenlang lesen, leider hab ich ihn schon längst komplett gelesen. :)

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    1. Hihi, schön, wenn's dir bei mir gefällt :)

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  5. Hallo,

    die Lampe ist ja echt klasse. So eine tolle Idee. Ich lese mich gerade seit ein paar Tagen, durch deinen Blog. Und es gefällt mir hier sehr gut. Habe aber noch ein paar Seiten vor mir, freue mich aufs weiterlesen.

    Lg

    Barbara

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    1. Na dann viel Spaß dabei und herzlich Willkommen :)

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  6. Huhu Viv,

    haha ... oh ja, ich hab auch schon den neuen Katalog durchgeblättert und werde die Tage mal hinfahren :D Vielleicht am WE .. wobei, dann ists immer so voll da -.-

    Und die Wummelkiste haben wir auch durchgebastelt letztens :D Mein Post dazu folgt noch <3 Liebste Grüße, Mari

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  7. Sieht stark aus... Meine Kreativität reicht leider selten so weit; ist sicher aber auch nur eine Frage des Endlich-Mal-Anfangens :-)

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  8. Wir mögen den Schweden ja vor allem wegen des leckeren Essens und nutzen jede Gelegenheit, wenn wir in der Nähe eines der Schwedenhäuser vorbeifahren (ganz so nah gibt's leider keines, du weißt ja, wir leben auf dem Lande :) - die Lampe ist klasse geworden und eure Zimmerdecke, die liebe ich. Ach ja, fast vergessen: Das Axolotl finde ich auch niedlich, insbesondere seinen Namen.

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  9. Ich freue mich, dass die Kamera einen festen Platz bei Fiona hat. Nach zwei Wochen bin ich nu wieder ausm Urlaub da und freu mich jetzt den Rest zu lesen...

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