Dienstag, 25. Dezember 2012

Die Top 5 der nervigsten Weihnachtslieder

An den laangen Feiertagen, an denen ihr eigentlich in friedlich-besinnlicher Festtagsstimmung essend mit euren lieben Verwandten zusammensitzen und singen solltet, guckt ihr nur mal schnell "zwischendurch" ins Netz und habt keine Lust mehr auf Geschenke-Posts...?
Inspiriert von einem Artikel aus dem letzten Jahr von Wir mit Kind gibt es hier heute keine Bescherungsbilder, sondern eine weihnachtliche Bestandsaufnahme dessen, was gerade so im Radio läuft.
Die Top 5 der nervigsten Weihnachtslieder - welche sind das für euch?
 

Mit Weihnachtsliedern ist das ja so eine Sache: man hat nur ziemlich genau 5 Wochen im Jahr die Möglichkeit, sie zu hören. Danach fristen diverse Best-of-Christmas-Compilations 11 Monate ihr trostloses Dasein ganz hinten im CD-Schrank. Wir Musiklehrer haben in dieser Hinsicht ein besonders schweres Los, denn damit die Schüler zur Adventszeit die gängigen Weihnachtslieder unfallfrei vortragen können, muss man je nach Dauer der Ausbildung zwischen September und November schon damit anfangen im Unterricht. Wenn dann endlich wirklich Weihnachten ist, sind wir froh, "Fröhliche Weihnacht überall" und "Stille Nacht" nicht mehr hören zu müssen ;)
Trotz der Tatsache, dass man sie das ganze Jahr über nicht jeden Tag im Radio hört, lösen manche Weihnachtshits bei mir schon beim ersten Hören nach dem Totensonntag spontanen Brechreiz aus.
Einer dieser Songs ist

5) "White Christmas" im Original, von Bing Crosby gesungen. Ich kann nicht mal genau sagen, weshalb. Andere Versionen, z.B. die poppige von Michael Bublé oder die rockige der Kelly Family, mag ich nach wie vor sehr gerne. Das Weihnachtsalbum der Kellys lief bei uns übrigens in Endlosschleife, als ich klein war. Da kann man jetzt über die Zottelsippe denken was man will, aber gute Musik haben sie gemacht! In den (damals) süßen Paddy war ich sogar mal verliebt und habe akribisch Bravo-Artikel und Poster gesammelt. Hach, lange her :)

Meine Nummer 4) ist "Driving home for Christmas" von Chris Rea. Es ist nicht supernervig, aber wenn mein Ohr die ersten Takte hört, drückt mein Zeigefinger automatisch den Sendersuchlauf am Radio. Durch dieses monotone Begleitmuster in Verbindung mit dem relativ eintönigen Text fühle ich mich selber wie ein LKW-Fahrer auf der A9, in der linken Hand den Kaffee, in der rechten die Zeitung... Er sitzt in seinem Auto und singt. Und fährt. Und singt. Rote Ampeln hier und da. Er singt obwohl ihn niemand hört. Aber bald wird er da sein, denn er fährt Weihnachten nach Hause. Und wenn er nicht gestorben ist, dann fährt er noch heute. Muss ja ganz schön weit weg wohnen, der Gute. Hoffentlich kommt er bald an, ich wünsche es ihm!

Auf der 3) ist ein Lied, was man zwar selten im Radio hört, mir aber dennoch gehörig auf die Nerven geht: das Weihnachtslied für Atheisten - "Oh Tannenbaum". Vielleicht bin ich als "Frau vom Fach" da ein bisschen empfindlicher als der Durchschnittsmusikkonsument, aber dieses Lied geht gar nicht. Schon nach den ersten vier Tönen ist eine Verzögerung, Musiker nennen das "Fermate", die das feste Taktschema sozusagen aufbricht und bremst (singt's mal im Kopf!). Typisch für Weihnachtslieder ist allerdings eigentlich, dass sie keine exotische Taktart haben - Walzer oder Vierer in der Regel - und wegen ihrer überschaubaren Struktur für jedermann leicht nachzusingen sind. Der Tannenbaum mit seinem grünen Kleid fällt also schon beim ersten Parameter durch mein persönliches Raster und hat deshalb den Platz in den Top 5 verdient. Es gibt zwar ollere Melodien ("Kom-mehet i-hir Hir-tehen...") und weitaus dramatischere Texte ("So nimm uns're Herzen zum Opfer denn hin..." - Ihr Kinderlein kommet), aber die Fermate auf dem Tannenzweig toppt alles.

Den 2.) Platz belegt "Have yourself a merry little Christmas". Ich weiß, Frank Sinatra ist einer der ganz Großen, aber mit diesem Song legt er mir einen Strick um den Hals und zieht ihn mit jeder Zeile ein bisschen enger, wirkt auf mich also so gar nicht "merry". Und "light" ist "my heart" auch nicht gerade - im Gegenteil. Also schnell umschalten. Bei ganz großem Glück läuft auf dem Nachbarsender währenddessen die Nummer 1) meiner nervigsten Weihnachtslieder, das absolute No-Go. Da hilft nur Ausschalten:

"Last Christmas" von WHAM.
Auf der Facebookseite meines Lieblingssenders fragten sie kurz vor dem angekündigten Weltuntergang, welches Lied sie in der letzten Stunde vor der Apocalypse spielen sollen. Ich postete den "Final Countdown", las noch andere witzige Vorschläge wie "I will survive", "Time to say goodbye", "Highway to hell" und "Muss nur noch kurz die Welt retten"  und lachte dann bei einem Liedvorschlag laut auf, denn dort schrieb jemand sinngemäß: "Last Christmas - diesmal wäre es wirklich das Letzte." Ich gebe ja zu (vorangegangene Diskussion mit meinem Mann über das Thema), die Harmoniefolge ist aus musikalischer Sicht tatsächlich nicht schlecht, aber das Gesamtpaket ist einfach so bäh wie es nicht unappetitlicher geht und dudelt trotzdem seit 1984 unerbittlich aus jedem Lautsprecher zur Weihnachtszeit. Soll er doch einfach aufhören zu nörgeln, sein Herz nicht ständig verschenken und alles wird gut...

Heiligabend 2012

Neben den wenigen nervigen Liedern gibt es natürlich auch sehr viele schöne! Die alten Schinken lasse ich mal außen vor (obwohl "Adeste Fideles", "Stille Nacht" und Konsorten nie an Aktualität verlieren werden) und beschränke mich auf meine Top 5 der charttauglichen Alle-Jahre-wieder-Lieblingsweihnachtslieder.
Auf der 5) ist "Merry Christmas everyone" von Shakin Stevens. Kennengelernt habe ich diesen Song in der 6. Klasse im Englischunterricht. Statt eine mindestens 3-stündige Weihnachtsfeier mit Keksessen und Nasebohren zu veranstalten, hatte unsere damalige Klassenleiterin kleine Zettel mit Textfetzen ausgedruckt, die wir in eine sinnvolle Abfolge bringen sollten. Im Hintergrund lief permanent besagtes Lied. Dass ich den Ohrwurm danach erst mal nicht mehr losgeworden bin, brauche ich hier wohl nicht erwähnen. Mit seinem weihnachtlich-reduzierten Anfang, dem Rock'n'Roll-Refrain und dem Saxophonsolo, was ich Ton für Ton mitsingen kann, einer meiner liebsten Weihnachtssongs. Gute Laune pur!

Auf Platz 4) sitzt Bryan Adams, dem man nach dem ersten Eindruck wahrscheinlich eher kein Weihnachtslied in den Stiefel schieben würde. Wider Erwarten hat er eins gemacht und noch dazu ein wunderschönes: "Christmas Time"! "...to see the joy in the children's eyes, the way that the old folks smile says that Christmas will never go away..."

Nummer 3) geht an die Band AID mit ihrem Afrika-Song "Do they know it's Christmas". Namhafte Künstler wie David Bowie, Phil Collins, Bob Geldof, Paul McCartney, Sting und Queen trafen sich kurz vor Weihnachten 1984, um dieses Lied als Reaktion auf eine Reportage über die Hungersnot in Äthiopien aufzunehmen und die Tantiemen zu spenden. Dieser kraftvolle Song mit seiner tiefen Botschaft hinter den gesungenen Worten ("where the only water flowing is the bitter sting of tears [...] well, tonight thank God it's them instead of you. And there won't be snow in Africa this christmas time. The greatest gift they'll get this year is life...") gehört für mich zu Weihnachten dazu wie Lebkuchen und Tannenbaum.
Gerade in Zeiten des kommerziellen Weihnachtswahns kann es nicht schaden, zumindest durch die Musik ein bisschen darüber nachzudenken, wie gut es uns auch mit kleineren Sorgen und Problemen trotzdem noch geht.

Die 2) hat John Lennon mit Yoko Ono im Bett komponiert: "Happy Christmas". Im Rahmen einer Friedenskampagne mieteten sie 1969 Werbeflächen auf Plakaten in vielen großen Städten und ließen sie bedrucken mit "War is over, if you want it". Auch dieser Song verliert wohl nie an Aktualität und kann von mir aus in der Weihnachtszeit in Dauerschleife laufen, ohne dass er langweilig wird. Schon bei den ersten Worten Lennons "So this is Christmas" kriege ich parallel eine Gänsehaut und ein wohliges Gefühl im Bauch. Wenn John es ausgesprochen hat, dann kann Weihnachten kommen.

Mein Weihnachtstophit, der immer geht, 100%ig gute Laune bringt und irgendwie automatisch Hüften und Stimmbänder bewegt ist auf der 1) "Rocking around the Christmas tree"! Egal in welcher Version, bei dem Song kann ich einfach nicht stillsitzen. Auch früher lief dieses Lied schon in Endlosschleife, wenn wir gemeinsam den Baum geschmückt haben, es im ganzen Haus nach essen roch und hübsch verpackte Geschenke heimlich in den Schränken raschelten. Nicht so bedeutungsschwanger und völlig befreit vom tieferen Sinn hinter dem Fest der Liebe wird hier einfach nur getanzt, gegessen, gefeiert und unter dem Mistelzweig geknutscht. Muss auch mal sein. Merry Christmas!

eine Postkarte aus meinem Bestand

P.S. Seit vielen Jahren liegt hier außerdem noch eine glatt weiße Postkarte rum, auf der in Schwarz nur zwei kurze Sätze stehen:
"Schafft Weihnachten ab. Josef hat alles zugegeben."
haha ^^
 
P.P.S. Wer Lust hat, darf sich gern anschließen und seine Top-Songs bloggen und hier verlinken oder einfach als Kommentar posten. Ich bin gespannt, was es bei euch Weihnachten auf die Ohren gibt bzw. was besser nicht ;)

Kommentare:

  1. Wie wahr!! Gestern auf dem Heimweg im Auto hab ich so oft geswitcht, weil "Last Christmas", "White Christmas" oder eins der anderen zuerst genannten Lieder kam. Bei manchen der schönen Lieder kann ich auch nur bestimmte Versionen hören, bei anderen schalte ich sofort weg. Lena war schon genervt von meinem ständigen Senderwechsel ;-)

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  2. Hab das dieses Jahr witzigerweise ganz anders erlebt: Irgendwie hab ich immer zur falschen Zeit Radio gehört und nie, wirklich NIE "Last Christmas "gehört. Deshalb haben wir am 24.12. nachmittags dieses spezielle Lied ganz laut auf der Stereoanlage abgespielt und zu dritt getanzt. Irgendwie ist das für mich ein Stück Weihnachtskultur, das ich unserer Tochter LadyGaga gerne vermitteln möchte :-)
    Was sonst noch ein MUST war dieses Jahr:
    -Feliz Navid (bin in Zentralamerika aufgewachsen)
    -All I want for Christmas is you (Mariah Carey-Version)
    -Die Michael Bublé-CD vom letzten Jahr
    -"Kinder singen Weihnachtslieder"-CD - daran ging dieses Jahr kein Weg vorbei, weil Ladygaga nur das hören wollte. Mir klingen immer noch die Ohren vom "Morgen kommt der Weihnachtsmann..."
    LG
    Séverine

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  3. Oh ja, das unterschreibe ich sofort! Wobei ich zugeben muss, dass ich Last Christmas mittlerweile mit einer gewissen Konträrfaszination für das unfassbar Unfassbare hören kann :-)

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  4. Oh ja, es gibt so viele nervige Lieder, da vergeht einem im Vorfeld schon ein wenig die Lust auf Weihnachten. lach
    Ich schalte meist um... Muss ja nicht sein...

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  5. Hab's geschafft:
    http://saro-schreibt.blogspot.de/2012/12/der-tag-danach.html

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