Montag, 21. Mai 2012

Von Piraten, Wischmops & teuren Tigern

Ruhig hier....ich sag euch auch, warum: der Laptop war lange 4 Tage arbeitslos, denn wir haben das lange Wochenende (ein Hoch auf Brückentage!) in vollen Zügen und bei bestem Wetter an der frischen Luft genossen! War es am Freitag noch jackenwindig, schien die Sonne am Samstag und Sonntag bei sommerlichen fast 30°C so gnadenlos auf das nicht im Schatten geparkte Auto, dass wir vor dem Einsteigen erst mal eine Weile lüften mussten und lenken nur mit den Fingerspitzen möglich war ^^
Traditionell zum Himmelfahrtswochenende findet bei uns in der Nähe das Blütenfest statt. Der grüne Schlosspark gleicht dann einer einzigen Budenallee, wo zwischen Softeis und Rostbratwurst SPD, Grüne und die Kirche neue Wähler an Land ziehen wollen. Highlight dieses Jahr waren zweifelsfrei die Piraten! Ob ihr Parteiprogramm eine echte Alternative zu den großen, "ernsten" Parteien darstellt, sei dahingestellt, aber werbetechnisch hatten sie die Nase das Schwert ziemlich weit vorne.
Langweilig ist ein stinknormaler Luftballon am Stiel, "den kann man so halten", aber mehr nicht. FAIL. Ginge es nur nach der Luftballonwerbung, würde ich diese jedenfalls nicht in den Bundestag setzen...
Normal ist der Heliumballon an der Strippe. Kann man auch so halten, aber bringt den Adrenalinkick mit sich, dass er jederzeit abhauen könnte, wenn man ihn nicht gut genug festhält. Größere Kinder besuchen das Blütenfest sehr zur Freude der Parteien wohl nur, um das Helium aus den Ballons einzuatmen. Schön, dass die Schlümpfe nun Werbung für "Die Linke" machen. Wir haben eben genannten Parteiballon übrigens dazu benutzt, unserem Töchterchen die Zuordnungsbeschreibung der Richtungsangaben näher zu bringen ^^
Außergewöhnlich war der knallorange Stand, in dem ein paar Piraten keine Heliumballons, sondern Piratenschwerter geknotet haben! Jeder kennt sie doch, die Luftballontiere die einen als Kind so fasziniert haben. Wenn jemand so etwas konnte und die passenden Luftballons zur Hand hatte, gab es meistens Hasen, Schwäne, Elefanten oder Pudel. Im Endeffekt sahen sie alle aus wie ein Pudel, aber hey, mit einem bisschen Phantasie...Die Piratenschwerter waren jedenfalls der absolute Hit auf dem Fest! Da die kleinen Kämpfer alle unter 18 waren, bezweifle ich, dass die Piratenpartei darüber ein großes Plus an Wählern gewonnen hat, aber wartet mal noch 15 Jahre...
Unser erstes Schwert hat sich an einer Treppenstufe, über die das Kind gestolpert ist, in Luft und orange Fetzen aufgelöst. Dicke Tränen verschmierten langsam den teuren Tiger (unfreiwilliges Trinkgeld beim Kinderschminken für eigentlich 3€: ich gab einen 5er-Schein und sagte im falschen Moment "danke"...), aber nicht etwa schmerzbedingt! Der Verlust des Schwertes brannte in den Augen. Also zurück zum orangen Zelt. Nachdem Fiona einem Piraten wortreich erklärt hatte, was passiert war, konnten wir uns über ein zweites Schwert freuen, was mit Samthandschuhen angefasst und hoch über dem Kopf bis zum Auto transportiert wurde. Ja, bis zum Auto und kein Stück weiter. Kaum lag es drinnen, entschied sich die eingesperrte Luft, dass ihr bei gefühlten 50°C im Auto wortwörtlich der Kragen platzt...
Nachdem wir nun schon an 2 Tagen auf dem Blütenfest waren, Karussell gefahren sind, Wurst, Eis und Crèpes gegessen und Enten geangelt hatten, wollten wir Sonntag eigentlich nicht noch ein Mal gehen. Aber auf die Tränen über das geplatzte Schwert folgte schnell ein:
"Wir kommen morgen wieder her und holen dir ein Neues, ok?" - "*schnief* Okay! *schluchz*"
Sonntag begleiteten uns einige meiner lieben Amicis, mit denen wir Samstag gegrillt, Seifenblasen gemacht und viel gelacht und erzählt haben, auf das Fest und wir hatten auch zum dritten Mal einen tollen Tag in der Sonne! Sonntag Morgen legte Fiona fest, dass sie sich als Käfer ("Mariefen-Pefa") verkleiden möchte, denn ich hatte ihr versprochen, dass wir noch mal zum Schminken gehen (Diesmal würde ich vorsichtiger mit dem "Danke" sein!). Oh Schreck, oh Graus - der Stand war leer! Die Schminkfrau hatte sich still und heimlich vor Ende des Blütenfestes aus dem Staub gemacht... Bevor die nächsten Tränchen in den Startlöchern stehen konnten, versprach ich, dass ich Fiona zu Hause schminken würde. Sowas vergessen Kinder nicht. Kaum zu Hause angekommen, sagte sie den Satz der Sätze, den sie sich von der Schminktante gemerkt hatte: "Ich bin bereit für Glitzer!" Dann konnte der glücklichglitzernde Mariefen-Pefa in unserem Garten schaukeln, während wir mittendrin waren in der Grillsaison.

In unser umfangreiches Bastelsortiment hat sich vor ein paar Tagen nun auch die sogenannte FIMO-Knete eingereiht. Bunte Päckchen Knete, ein Modellierstab, eine Unterlage und Glanzlack wollten ausprobiert werden und so entstand ein Vögelchen mit Schlenkerbeinen (verdammte Fummelei, den Sekundenkleber am Kordelband in die Beinlöcher zu kriegen!) und ein Sonnenmobile mit Mama-Sonne, Papa-Sonne und Nono-Sonne! Als Fiona bemerkte, dass ich die fertig modellierte Knete in den Backofen schieben wollte, lachte sie und sagte: "Nein, Mama. Das ist doch für die Pizza!" Das Kugelnrollen klappt bei Nono schon ziemlich gut, allerdings haben kleine Kinder grundsätzlich auch 5min nach dem Händewaschen schmutzige Finger und so sind die Nasen der Sonnen ein bisschen fusslig bei genauerer Betrachtung. Die Lampe im Kinderzimmer hängt nun nicht mehr wegen des mallorquinischen Windspiels in eine Richtung schief, sondern endlich wieder gerade. Danke, liebe Sonnen. Die Nähmaschine durfte letzte Woche auch mal wieder was tun. Nachdem sie mich mit reißenden Ober- und verwurschtelten Unterfäden fast zur Weißglut gebracht hat, und ich nun auch weiß, wie man eine Nadel wechselt, funktionierte wieder alles einwandfrei. Ich fand im Internet das kostenlose Schnittmuster für eine Apfeltasche und hatte zufällig gerade den hübschen, roten Apfelstoff im Briefkasten. Was läge also näher...im wahrsten Sinne, haha. Irritiert und ein bisschen Zeit gekostet hat mich die Aufforderung: "Stoff doppelt nehmen und längs falten..." Ich nahm ihn doppelt und faltete ihn. Anschließend wäre er zu klein gewesen, um das Schnittmuster zu übertragen. Ich faltete ihn wieder auseinander. Las nochmal. Nahm ihn wieder doppelt und faltete ihn anders. Wieder zu klein. Irgendwann nahm ich ihn einfach doppelt und ignorierte das blöde Falten und schon ging's. Später sagte meine Mama dazu: "Doppelt nehmen und längs falten ist doch das Gleiche...?!" Das Learning-by-Doing hat ingesamt erstaunlich gut funktioniert. Ich weiß jetzt, wie man Abnäher macht, wofür sie gut sind und dass Klebe-Klettband echt das Letzte ist. 2 Stunden für die Tasche, nochmal 2 Stunden für den simplen Klettverschluss. Der olle Kleber bleibt an der Nadel hängen, die Maschine näht nicht was ich, sondern was sie will (oder auch gar nichts mehr, sondern brummt nur noch) und kein Fadenende passt mehr durch das Nadelöhr, weil der Klettkleber alles zupappt... Nach anfänglichen Schwierigkeiten (habe zuerst nur die halbe Tasche ausgeschnitten ^^) kann sich das Ergebnis nun doch schon sehen lassen. Wer's nachmachen will, guckt hier:


Bei Luzia Pimpinellas Fotoprojekt ist mir diese Woche absolut nichts eingefallen, weshalb ich schon überlegt hatte, vielleicht besser ein Mal auszusetzen. Das neue Motto heißt: "Ich kann auch anders".


Ist "Ich kann auch anders" Rebellion? Wenn ja, kann ich damit nur noch bedingt dienen. Piercingzeiten sind schon eine Weile vorbei (zuletzt musste das Zungenpiercing weichen, weil es in den ersten Monaten der Schwangerschaft einen permanenten Würgereiz hervorgerufen hat ^^), Tattoos sind so normal, dass sie kein Zeichen mehr von "ich bin anders" sind und ein Die-Ärzte-Album ist - wie sie selbst singen: "Ist das noch Punkrock?" - ist von Rebellion und Anarchie fast so weit entfernt wie das Magnetbuch der rosa Filly-Pferde. Fast.
Wie ich nun also ratlos vor dem Laptop sitze, kommt mein Mann plötzlich mit dem Vorschlag:
"Ich fotografier dich mit einem Wischmop!"
Und weil ich gerne über mich selbst lache, kommt hier genau dieses Foto:


Dazu muss man wissen: mein Mann putzt freiwillig die Wohnung, wenn ich Windeln wechsele und ggf. nachts aufstehe und tröste bei Bedarf, während er weiterschlafen darf. Jeder macht das, was er am Besten kann ;)

Ein Bild vom Fest möchte ich euch zum Schluss noch zeigen. Liemhasi war beim Gartengrillen in der Tasche und hatte sich, als er rauskam, selbstständig Schleichwerbung an den Fellpo geklebt...Wenn das kein Fan-Foto ist ;)


Kommentare:

  1. Ich erinnere mich auch an tolle Fimo-Bastelnachmittage in meiner Kindheit, aber auch daran, dass die ganze Küche und der Backofen danach fürchterlich gerochen haben - ist das heute auch noch so :-) ??? Sehr schön geworden, eure Werke.

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    1. Es roch nach gar nichts, weder im Backofen noch an den Händen. In der richtung scheint sich einiges getan zu haben bei Fimo :)

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  2. Die Apfeltasche finde ich sehr schön. Wenn du nicht von den Faden-, Nadel- und Kleberproblemen geschrieben hättest, könnte man glauben, es wäre ein Profi am Werk gewesen ;-).

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    1. Oh, da werd ich so rot wie die Tasche :) Dankeschön!

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  3. Da ist der langersehnte Eintrag ist da :)
    Das Wochenende war sooooo schön. Wir haben uns an 3/4 Tagen gesehen, schon gemerkt? <3

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  4. Über die Geschichte mit dem Schwert und der schminke musste ich,in Erinnerung an frühere Feste,herzlich lachen. Nicht nur als Mutter,sondern auch als ehm. Kinderschminkerin.5 euro sind schon ganz schön happig...da hast Du die gute Frau bestimmt so glücklich gemacht,dass Sie gleich vor Freude den Stand schloss.;-)

    Liebe Grüße,
    Line

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    1. hahaha ja, das kann gut möglich sein ^^ hätten wir die Sache mit der schminkfrau also auch geklärt ;)

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